Statt Gängelung mehr Gestaltungsfreiheit





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Unternehmer aus Pforzheim und der Region fordern eine neue Wirtschaftspolitik. Weniger Bürokratie, mehr Verlässlichkeit – das war der Tenor eines Business-Meet-ups, das zwei Unternehmensberatungen Anfäng März gemeinsam veranstalteten. Die Botschaft war eindeutig: Die Nöte der Teilnehmenden sind grundsätzliche Probleme des deutschen Mittelstands. 

Mut, Innovationsfreude und Gestaltungsfreiheit – das sind die Werte, die Unternehmerinnen und Unternehmer brauchen, um langfristig erfolgreich zu sein. Doch genau diese Spielräume werden immer weiter eingeschränkt. Auf einem Business-Meet-up, veranstaltet von Karin Bacher Consultants und Just4People, in Pforzheim wurde deutlich: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind für viele Unternehmen zur Belastung geworden. Gerade in Zeiten großer wirtschaftlicher Herausforderungen würden sie sich vor allem Entlastung seitens der Politik wünschen.

Wirtschaftspolitik am Wendepunkt

Regulierungen, die Innovation hemmen. Bürokratische Hürden, die Ressourcen fressen. Unsichere politische Entscheidungen, die Planungssicherheit erschweren. Unternehmer und Führungskräfte sind sich einig: Die Politik muss dringend pragmatischer werden.

Gert Hager, ehemaliger Oberbürgermeister von Pforzheim, brachte es auf den Punkt: „Unternehmertum kommt von unternehmen – doch in Deutschland wird es immer schwerer, etwas zu bewegen.“ Besonders im Bereich Fachkräftemangel und Bildung bestehe enormer Handlungsbedarf. Es fehle an gezielten Maßnahmen, um junge Menschen für den Arbeitsmarkt fit zu machen und qualifizierte Fachkräfte ins Land zu holen.

Auch die Immobilienbranche fordert mehr Spielraum. Architektin Eva Zeitler-Koch plädierte für flexiblere Standards im Wohnungsbau, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. „Es geht nicht darum, Sicherheit zu gefährden, sondern um eine realistische Balance zwischen Vorschriften und Machbarkeit.“

Forderungen des Mittelstands

Die Politik stehe in der Verantwortung, wirtschaftsfreundlichere Rahmenbedingungen zu schaffen – ohne dabei soziale und ökologische Nachhaltigkeit aus den Augen zu verlieren, wie die Unternehmer:innen ausdrücklich betonten. Dazu gehört:

Bürokratie abbauen – Schnellere Genehmigungsprozesse, weniger komplizierte Regularien.
Fachkräfte gezielt fördern – Bildungssystem reformieren, Integration beschleunigen.
Technologieoffenheit leben – Weniger Verbote, mehr Innovationsfreude.

„Deutschland war einmal führend in Technologie und Unternehmertum“, so Philipp Bauknecht, Geschäftsführer von Medialesson. „Doch anstatt Chancen zu nutzen, wird heute vor allem reguliert.“

Mein persönliches Fazit: Wirtschaft mit Haltung gestalten

Ein wirtschaftlicher Neustart ist wichtig, darf jedoch nicht ausschließlich auf Wachstumszahlen und Wettbewerbsfähigkeit abzielen. Erfolgreiche Unternehmen sollten es sich zum Ziel setzten, nicht nur produktiv sowie rentabel zu sein, sondern auch sozial verantwortlich zu handeln. Eine nachhaltige Wirtschaftspolitik muss die Menschen mitdenken – von fairen Arbeitsbedingungen über Diversität und Inklusion bis hin zu umweltfreundlichen Innovationen.

Die „große“ Herausforderung besteht darin, Bürokratie abzubauen, ohne Standards für soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz zu untergraben. Unternehmer brauchen Freiräume, aber auch eine klare Verantwortung: Sie gestalten die Zukunft nicht nur für sich, sondern für die Gesellschaft als Ganzes. Nachhaltige Lösungen müssen die Grundlage für wirtschaftliches Handeln sein – nur so gelingt der Aufbruch aus der Krise in eine zukunftsfähige, lebenswerte Welt.

Alexandra Leibfried
Alexandra Leibfried
"Starke Arbeitgeber brauchen gute Antworten auf aktuelle Herausforderungen!"