Gastgewerbe im Umbruch

Alexandra Leibfried, Moderatorin Nord Gastro & Hotel

Die Insolvenz der Revo Hospitality ist mehr als ein Einschnitt für die Hotellerie. Sie steht exemplarisch für eine Entwicklung (Involvenz Lindner Hotels AG 2024, Insolvenz Achat Hotels 2023), die darüber hinaus andere Teile des Gastbewerbes betrifft: Gastronomie (Insolvenz Dean & David 2023, Insolvenz Vapiano 2020), Zulieferer (Involvenz Eismann 2023) oder Foodservice-Anbieter (keine Insolvenzen, aber einschneidende Umstrukturierungen bei Metro oder Chefs Culinar). Häufig werden Insolvenzen mit externen Krisenfaktoren erklärt: Nachwirkungen der Pandemie, Inflation, explodierende Energiepreise, Konsumzurückhaltung oder hohe Personalkosten. All das spielt zweifellos eine Rolle. Doch es greift zu kurz.

Denn wer genauer hinschaut, erkennt ein strukturelles Muster: Viele Geschäftsmodelle waren schon vor der sogenannten Polykrise fragil. Ob Hotelgruppen, Gastronomieketten oder Foodservice-Zulieferer – sie alle verbindet ein System, das lange auf Wachstum, Skalierung und Effizienz getrimmt war. Wachstum um jeden Preis gepaart mit komplexen Strukturen, hohen Fixkosten und knappen Margen. Solange der Markt mitspielte, funktionierte das. Doch Polykrisen verzeihen keine fehlenden Puffer.

Die aktuellen Entwicklungen sind deshalb weniger ein Branchenproblem als ein Transformationssignal. Wir erleben eine Bereinigung.  Die zentrale Frage sollte nicht mehr lauten: Wie wachsen wir schneller? Sondern sie muss lauten: Wie bleiben wir tragfähig, wie sieht nachhaltiges Wachstum aus?

Tragfähigkeit entsteht nicht allein durch Auslastung oder Einkaufsvorteile, sondern durch drei zentrale Faktoren:

Erstens: Nachhaltige Geschäftsmodelle.
Nicht als Marketinglabel, sondern als betriebswirtschaftliche Logik. Energieeffizienz, regionale Lieferketten, realistische Expansion und transparente Kostenstrukturen sind keine Ideale, sondern solide Strategien.

Zweitens: Zukunftstechnologie mit Sinn.
Digitalisierung mit Mehrwert. Technologie muss Prozesse entlasten, Qualität sichern und Mitarbeitende stärken anstatt die Idee zu verfolgen, sie zu ersetzen. Wer heute in bessere Systeme investiert, investiert in Resilienz von Geschäftsmodellen.

Drittens: Zukunftsfähige Personalpolitik.
Der Arbeitskräftemangel ist trotz Krise ein strukturelles Risiko. Arbeitgeber, die verlässliche Rahmenbedingungen schaffen und Mitarbeitende ernsthaft beteiligen, werden stabiler durch Krisen kommen als jene, die nur auf Effizienz setzen.

Genau über diese Fragen spreche ich im Rahmen meiner Moderation des Fachprogramms der Nord Gastro & Hotel Messe in Husum mit Expert:innen aus dem Gastgewerbe. Gastronomen, Hoteliers und Zulieferer treffen hier aufeinander, rund 5000 Besucher:innen werden erwartet zum 25-jährigen Jubiläum der Fachmesse. Die Gespräche drehen sich vor allem um Lösungen, Zukunftsmut und unternehmerische Verantwortung. Nicht um Rückkehr zur Normalität, sondern um Neuausrichtung. Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Gastronomen zum Jahresanfang sowie die Bekanntgabe einer neuen nationalen Tourismusstrategie sind positive und wertschätzende Signale seitens der Politik. Aber sie verpuffen ohne Veränderungsbereitschaft.

Die gute Nachricht: Zukunftsfähigkeit ist gestaltbar. Sie beginnt jedoch mit ehrlicher Selbstreflexion. Als Unternehmer, als Arbeitgeber und als Teil einer nachhaltigen Ökonomie. Besonders gespannt ich daher auf eine Panel-Diskussion mit Vertretern der Initiative Green Chefs. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, nicht nur strategsich, sondern anhand von Best-Practice-Beispielen zu zeigen, dass Ökologie und Ökonomie in der Gastronomie sehr wohl Hand in Hand gehen können.

Ich freue mich sehr auf starke Impulse und wertevollen Austausch für die Branche und mit der Branche. Zudem erwarte ich mit Spannung die Verleihung der NordGastro Awards. Sie werden anlässlich des Messejubiläums erstmals vergeben.

Herzlich


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