Haltung stärkt die Arbeitgebermarke und die Gesellschaft

Zukunft Personal Süd, Alexandra Leibfried, Rebekka Illgner, Haltung als strategischer Erfolgsfaktor im Employer Branding

Doch! Haltung und demokratische Werte sind relevant für den Arbeitsraum. Denn sie stärken nicht nur Zusammenhalt, psychologische Sicherheit, Innovationskultur und den Arbeitseinsatz, sondern strahlen auch direkt in die Gesellschaft hinein. Meine journalistische Recherche zu diesem Thema und Erfahrungen aus eigener Beratung durfte ich gestern im Kamingespräch mit Rebekka Ilgner auf der Messe Zukunft Personal Süd in Stuttgart einbringen.

Einige Fakten dazu:

  1. Das größte globale Risiko für die Weltwirtschaft heißt zum zweiten Mal in diesem Jahr Desinformation laut Global Risk Studies, veröffentlicht im Rahmen des Weltwirtschaftforums (bereits 2025 war dies laut Studie die größte globale Gefahr).
  2. Social Media ist mittlerweile die wichtigste Anlaufstelle für die Menschen, um News zu beziehen (Reuter News Report).
  3. Der Algorithmus der Portale begünstigt um ein vielfaches die Ausspielung polarisierender Inhalte (Studie der Universität Potsdam und der Bertelsmann Stiftung vom Herbst 2025).
  4. Mehr als 45 Mio. Menschen in Deutschland verbringen die meiste Zeit ihres Tages am Arbeitsplatz. Was sie dort erleben, tragen sie in die Gesellschaft. Das Fazit des WSI-Reports der Hans-Böckler-Stiftung lautet: „Demokratie wird im Alltag erlernt oder untergraben.“

„Unternehmerische Verantwortung endet nicht bei Umsatz oder Gewinn.“

Unternehmeskulturen, die demokratische Werte bewusst integrieren, stärken sich nicht nur selbst im Inneren, sondern auch die Gesellschaft. „Muss ein CEO oder Vorstand deshalb politisch Stellung beziehen?“, werde ich häuftig gefragt. Das eine muss das andere nicht ausschließen. Aber wichtig finde ich, dass die Verantwortung bei den Unternehmen ankommt, selbst ein politischer Akteur zu sein. Prof. Johannes Bohnen spricht in seinem 2020 veröffentlichten Buch „Corporate Political Responsibility (CPR)“ von CEO-Aktivismus, der nötig ist, um das Thema fest im Unternehmen zu verankern. Gute Argumente aus Sicht einer Unternehmenschefin, die politische Haltung relevant findet und lebt, liefert Dr. Caroline von Kretschmann (Europäischer Hof Heidelberg). Hier ein Auszug ihrer Argumentation, die sie kürzlich auf Linked In veröffentlichte:

„Wir haben uns im Hotel Europäischer Hof Heidelberg entschieden, uns politisch zu äußern. Nicht, weil es besonders klug fürs Marketing ist. Nicht, weil es wirtschaftliche Vorteile bringt. Im Gegenteil: Wir wissen, dass Haltung Gäste kosten kann. Dass sie Kritik auslöst – manchmal massiv, manchmal sehr persönlich und unter der Gürtellinie. Und dass das häufig weh tut und sehr anstrengend ist. Trotzdem glauben wir: Unternehmerische Verantwortung endet nicht bei Umsatz oder Gewinn. Unternehmen sind Teil der Gesellschaft. Und wer Teil einer Gesellschaft ist, hat auch eine Stimme. Wir nutzen sie – in der Regel respektvoll, reflektiert und diskussionsbereit. Aber nie neutral um den Preis unserer Integrität.“

Haltung nach außen zu kommunizieren – immer mehr Unternehmen nutzen dafür die Accounts ihrer Corporate Influencer. Ein Unternehmen, das heraussticht, ist die Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG). Arbeitgeber wie die BVG setzen hier innerhalb ihrer Recruiting- und Employer-Branding-Strategie bewusst ein Zeichen von Haltung im digitalen Raum.

„Wir zeigen als Unternehmen, wofür wir stehen!“

Die Erarbeitung einer Corporate Political Responsibility kann viel bewirken, wenn die Impulse dafür aus dem Herzen des Unternehmens kommen. Beispielsweise seitens der Human Ressoures-Abteilung in Absprache mit der Unternehmensleitung. Hier lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen der Digitalagentur Comspace aus Bielefeld. HR-Managerin Sarah Biendarra wollte nach der Wahl des ersten AfD-Landrats in Sonneberg (Thüringen) vor drei Jahren – bewusst im Unternehmenskontext – ein Zeichen setzen und startete die Kampagne #WirfürDemokratie. Mittlerweile gilt die Managerin als Vorbild für viele andere Unternehmen und sie teilt ihre Erfahrungen als Speakerin, beispielsweise im Netzwert HR4Democrazy. „Uns geht es nicht darum, gegen etwas zu sein“, betont Biendarra ausdrücklich. „Wir zeigen als Unternehmen, wofür wir stehen.“ Zum Angebot für Mitarbeitende zählen Wissensformate, Sonderurlaub für Wahlhelfer und ganz neu sind gemeinsame Exkursionen zu Gedenkstätten. Was sie besonderes freut: „Unser Arbeitsplatz wird von Kolleg:innen als sicherer Raum empfunden. Gerade auch gegen Gefahren wie Rassismus oder Sexismus.“ Wichtig finde sie zudem, genau die Menschen mitzuehmen, die offen sind für Demokratiebildung. „Wir wollen nicht missionieren, sondern informieren.“ Allerdings spricht sich Biendarra auch für klare Grenzen aus, so sie im Unternehmen überschritten werden.

Mein eigenes Fazit nach dem Bühneninterview mit Rebekka Ilgner sowie einem Gespräch mit Gunnar Sohn (Messe TV Zukunft Personal): Es ist genau der richtige Zeitpunkt, dass dieses Thema in der Arbeitswelt mehr Gehör findet.

Am 24. April veranstaltet die Industrie- und Handelskammer Stuttgart einen Demokratie-Tag für ihre Mitgliedsbetriebe, um zu sensibilisieren und Angebote zu machen. Ich freue mich, eine Einladung erhalten zu haben und bin gespannt auf Input sowie Debatte.

Herzlich

Weiterführende Literatur:

WSI-Report der Hans-Böckler-Stiftung: Mehr lesen

Bohnen, Johannes: Corporate Political Responsibility (Springer Gabler, 2020)

Permantier, Martin & Co: Werte wirken (Vahlen, 2021)


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