Arbeit so lästig wie Zahnarzt?!

Arbeit wird erledigt. Termine werden abgearbeitet. Meetings absolviert. Und montags beginnt für viele Menschen erneut ein Modus, der wenig mit echter Verbindung zu tun hat. „Viele behandeln Arbeit wie einen Zahnarzttermin“, sagt Dr. Hans Rusinek im Interview, das ich für das Hospitality-Community-Portal Elevatr führen durfte.
Ein Satz, der hängen bleibt, weil er beschreibt, was viele längst spüren: Die emotionale Beziehung zur Arbeit ist brüchig geworden. Menschen funktionieren oft noch im System. Aber sie identifizieren sich immer seltener mit ihm. Dabei ist genau diese Verbindung heute entscheidend, davon bin ich überzeugt. Für Motivation. Für Innovationskraft. Für Mitarbeiterbindung. Und letztlich auch für wirtschaftlichen Erfolg.
Wenn ich mich auf Impulsvorträge in Unternehmen vorbereite oder in die Beratung gehe, versuche ich immer zu vermitteln: Arbeit muss mehr als ein Tauschgeschäft aus Zeit gegen Gehalt. Sonst geht Menschen und Unternehmen zuviel verloren.
Unternehmen stehen vor einer kulturellen Herausforderung
In Gesprächen mit Unternehmen begegnet mir dann immer dieselbe Frage: „Wie schaffen wir es, Menschen langfristig zu binden?“ Die Antworten darauf werden häufig im Recruiting gesucht. In Benefits, oder über Kampagnen oder im Employer-Branding. Doch die eigentliche Frage ist oft eine andere: „Wie fühlt es sich an, Teil dieses Unternehmens zu sein?“
Menschen suchen heute Orientierung, Zugehörigkeit und Glaubwürdigkeit. Sie möchten erleben, dass Werte nicht nur formuliert, sondern gelebt werden. Gerade jüngere Generationen erwarten mehr als wirtschaftliche Stabilität. Sie fragen nach Sinn, Haltung und gesellschaftlicher Verantwortung.
Das zeigt auch der aktuelle „Monitor Unternehmensengagement 2025“ von ZiviZ im Stifterverband. Unternehmen verbinden gesellschaftliches Engagement zunehmend mit Arbeitgeberattraktivität, Mitarbeiterbindung und Unternehmenskultur. Gleichzeitig fällt es vielen Organisationen schwer, Haltung konkret sichtbar zu machen.
Die Herausforderung ist also nicht nur kommunikativ. Sie ist kulturell.
Zwischen Effizienz und Entfremdung
Im Interview mit Dr. Hans Rusinek ging es genau um diese Entwicklung. Um die Frage, warum Menschen emotional auf Distanz zur Arbeit gehen. Und warum Unternehmen Räume schaffen müssen, in denen Beziehung überhaupt wieder entstehen kann. Denn dort, wo ausschließlich Effizienz zählt, geht oft etwas anderes verloren: Identifikation.Viele Unternehmen unterschätzen noch immer, wie stark Kultur über Bindung entscheidet. Nicht Hochglanzkampagnen prägen Arbeitgebermarken, sondern Alltagserfahrungen:
💡Wie sprechen Führungskräfte mit Mitarbeitenden?
💡Welche Haltung zeigt ein Unternehmen in gesellschaftlichen Fragen?
💡Wie werden Konflikte ausgehalten?
💡Gibt es Vertrauen?
💡Gibt es echte Teilhabe?
Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung wünsche ich mir persönlich, berate dahingehend und beobachte auch, dass Unternehmen stärker in eine öffentliche Verantwortung hineinwachsen. Sie sind längst nicht mehr nur wirtschaftliche Akteure. Sie prägen gesellschaftliche Räume mit — durch Kommunikation, Führung und Unternehmenskultur. Das bedeutet nicht, dass Unternehmen parteipolitisch agieren müssen. Aber es bedeutet sehr wohl, dass demokratische Grundwerte, Vielfalt und respektvolles Miteinander nicht länger „Nebensache“ sind.
Arbeitgebermarken entstehen dort, wo Menschen Haltung erleben
Die Diskussion über New Work, Fachkräftemangel und Employer Branding wird häufig technisch geführt. Dabei geht es im Kern um etwas zutiefst Menschliches: Wollen Menschen bleiben? Und wenn ja: Warum? Nicht jede Organisation muss auf allen Plattformen ausschließlich laut sein. Aber jede Organisation braucht Klarheit darüber, wofür sie steht.
Denn emotionale Bindung entsteht nicht durch Claims oder Obstkörbe. Sie entsteht dort, wo Menschen erleben, dass sie gemeint sind. Dass ihre Arbeit Bedeutung hat. Dass Haltung nicht nur kommuniziert, sondern gelebt wird. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Zukunftsaufgabe moderner Unternehmen:
Nicht nur Arbeitsplätze zu schaffen, sondern Räume, in denen Menschen sich verbunden fühlen können. Das vollständige Interview mit Dr. Hans Rusinek lest Ihr/lesen Sie hier bei Elevatr.
Seid Ihr Teil der Hospitality-Branche und habt Lust, mit anderen Innovatoren zusammenzutreffen, um gemeinsam zu wachsen? Dann kommt zum upnxt-Festival 2026 nach Berlin:
23. und 24. Juni im Silent Green Kulturquartier, hier geht’s zum Programm
Dr. Hans Rusinek wird den ersten Tag des Festivals, den Deep Dive Tag, mit seiner Keynote „Frohes Schaffen“ eröffnen. Im Anschluss gibt es ein breites Workshop-Angebot. Es ist mir eine Freude, selbst ein Format anbieten zu dürfen. Vielleicht sehen wir uns dort?
Herzlich