„Staat, Zivilgesellschaft und Wirtschaft müssen kooperieren“

Er sei sehr gerne gekommen zur Konferenz, betont Oliver Hildenbrand, Landesminister in Baden-Württemberg für Soziales, Arbeit und Gesundheit. Schließlich gehe es um keine Kleinigkeit: „Unsere Demokratie stärken, Maßnahmen bekannter machen und Player zu vernetzen“ – dieses Ziel ist im Koalitionsvertrag der „neuen“ Landesregierung von Baden-Württemberg festgehalten.
Die Landesdemokratiekonferenz am 28. September in den Räumen der Industrie- und Handelskammer Stuttgart stand unter dem Motto: „Resilient gegen Radikalisierung“ – Strategien zur Demokratieförderung und Extremismusprävention in der Arbeitswelt. Neben Studien, Möglichkeiten der Demokratiebildung für Unternehmen und passenden Tools wurden auch die Angebote des Demokratiezentrums BW vorzustellt. Hildenbrand hob hervor, für „wie wichtig“ er Zusammenschluss und Vernetzung hält, wenn es um Chancen und Möglichkeiten für ein besseres Demokratieverständnis und mehr Wertschätzung geht. „Staat, Zivilgesellschaft und Wirtschaft müssen kooperien“, so der Minister.

Und das wollen sie auch, wie die Veranstaltung zeigte. Ausgebucht war das Event schon vor Wochen, Expertinnen und Experten waren aus ganz Deutschland und auch Österreich nach Stuttgart gekommen.
Das nehme ich mit aus Vorträgen und Workshops
- Rassismus ist kein Randphänomen, sondern präsent in Gesellschaft und Arbeitswelt. Haltung ist gefragt und zwischenmenschliche Solidarität unabdingbar, damit sich das Sagbare nicht weiter verschiebt. Betroffene können außerhalb der rechtlichen Möglichkeiten innerhalb ihres Unternehmens auch Fachstellen des Landes aufsuchen, die am Landesdemokratiezentrum anhängen, beispielsweise Leuchtturm e.V.
- Sicherheit ist nicht nur ein Thema für Betroffene, sondern auch für Menschen, die sich positionieren. Daher mit Bedacht agieren, sich Verbündete und Zeugen suchen sowie Vorgesetzte und auch die Polizeit mit einbeziehen bei Vorfällen oder gar Straftaten. Nicht wegsehen oder ignorieren!
- Unternehmen können auf Stiftungen wie das Business Council for Democrazy oder Vereine wie die Changemaker Academy zugehen, um Demokratiebildung auszurollen. Allerdings ist die Bereitschaft dafür, das Thema „Demokratiebildung“ klar zu benennen, im Süden Deutschlands deutlich größer als im Norden. Die Academy arbeitet daher mit zweierlei Angeboten – im Norden geht es eher im Angebot mehr um Gemeinschaft und Solidarität. Unternehmer wollen sonst selten kooperieren.
- Ein neues KI-Angebot genannt dem.ai beantwortet Fragen rund um Arbeitswelt und Demokratie, der offizielle Launch steht kurz bevor
- Der Demokratiemuskel ist schwach bei den meisten von uns. Weder ins Unternehmen hinein noch nach außen in die Gesellschaft fällt es uns leicht, rassistische oder diskriminierende Äußerungen zu kontern. Politische Themen werden immer öfter in Gesprächsrunden vermieden.
- Wenn Demokratie offensichtlich als Wert in Unternehmen verankert ist, fangen Menschen erst an, sich sicher zu fühlen und den Wert zu leben.
- Dass sich Unternehmen trotz des wissenschaftlichen belegten Spillover-Effekts noch so wenig engagieren, liegt an mangelnden Ressourcen für Workshops – entweder Zeit oder Budget.
Unternehmen sollten sich mehr als „Brückenbauer“ verstehen, so der Minister am Ende seiner Rede. „Wir brauchen Trainings für alle Generationen.“
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